Was sind die „Walter-Scheel-Vorlesungen“?
Die „Barbara & Walter Scheel-Stiftung für Recht und Würde im Alter“ unterstützt mit einer großzügigen Förderung in Höhe von 30.000 Euro eine Veranstaltungs- und Vorlesungsreihe der Neumarkter Akademie zum Leben im Alter und zur Altersforschung. Namhafte Referentinnen und Referenten kommen dafür in den kommenden zwei Jahren für Vorträge nach Neumarkt. Zudem begleiten Lehrkräfte und Auszubildende der Akademie für Gesundheitsberufe Aktionen vor Ort, wie generationenübergreifende Treffen in Alten- und Pflegeheimen.
„Wir freuen uns sehr, mit der Neumarkter Akademie einen Kooperationspartner gefunden zu haben, der sich wie wir bereits in der Ausbildung für eine würdevolle und menschlich zugewandte Versorgung der älteren Generation einsetzt. Die Neumarkter Akademie stellt für uns eine Keimzelle in der Entwicklung einer zukunftsorientierten, modernen Pflege dar, insbesondere auch im Hinblick auf eine globalisierte Welt“, erklärt Stiftungs-Vorstand Christoph Höppel.
Akademie-Beirat Prof. em. Dr. med. Dr. h.c. Helmut Hahn, ehemals Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Infektionsimmunologie an der Berliner Charité, hebt die hohe Ausbildungsqualität der Neumarkter Akademie hervor: „Die Absolventinnen und Absolventen erzielen in Bayern die besten Abschlüsse – damit gehört die Akademie auch bundesweit zu den TOP-Pflegeschulen. Diese Exzellenz wollen wir einer breiten Öffentlichkeit bekannt machen.“

Pflege von Menschen beginnt zuhause - Ihr Fachtag für mehr Sicherheit im Alltag am 26. September 2026
Hintergrund und Zielsetzung
Die Unterstützung reicht von kleinen Hilfestellungen im hauswirtschaftlichen Bereich bis hin zur vollständigen Übernahme körperpflegerischer Tätigkeiten und der Sicherstellung der Lebensführung. Diese engagierten Personen – im Folgenden als Laienpflegende bezeichnet – stehen häufig selbst im Berufsleben oder befinden sich bereits in einem fortgeschrittenen Lebensalter.
Um diese Menschen in ihrem Engagement zu stärken und ihnen praxisnahe Unterstützung zu bieten, plant die Neumarkter Akademie für Gesundheitsberufe in Kooperation mit weiteren Institutionen die Durchführung einer Schulungsreihe. Ziel ist es, pflegerisches Basiswissen zu vermitteln, das früher durch großfamiliäre Strukturen weitergegeben wurde, heute jedoch zunehmend verloren geht. Die Schulungen sollen niederschwellig gestaltet sein und den Teilnehmenden zeigen, wie sie die oft herausfordernden Pflegeaufgaben ressourcenschonend und sicher bewältigen können.
Warum ist die Laienpflege so wichtig?
Der demografische Wandel ist unumkehrbar und führt zu einem stetigen Anstieg der Zahl pflegebedürftiger Menschen. Gleichzeitig ist der Mangel an professionellen Pflegekräften seit Jahren bekannt und stellt eine ernsthafte Herausforderung für das Gesundheitssystem dar.
Umso wichtiger ist es, gesellschaftliche Strukturen zu fördern, die es Menschen mit geringem bis mittlerem Pflegebedarf ermöglichen, möglichst lange in ihrer eigenen Wohnung zu leben. Das soziale Umfeld spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Förderung der sozialen Teilhabe pflegebedürftiger Menschen trägt wesentlich zur Erhaltung körperlicher und kognitiver Ressourcen bei. Studien zeigen, dass Menschen, die in ihrem vertrauten Umfeld verbleiben können, häufig stabilere Gesundheitsverläufe aufweisen als jene, die stationär versorgt werden.
Darüber hinaus bringt die Laienpflege erhebliche wirtschaftliche Vorteile mit sich. Ohne das Engagement pflegender Angehöriger wäre die Versorgung aller Pflegebedürftigen in Deutschland nicht mehr zu gewährleisten. Die häusliche Pflege entlastet das Gesundheitssystem und trägt zur Sicherung der pflegerischen Versorgung bei.
Ziel der Schulungsreihe ist es, pflegende Angehörige in ihrer Rolle zu stärken und ihnen praxisnahe Kenntnisse und Fähigkeiten zu vermitteln, um die pflegerische Versorgung im häuslichen Umfeld nachhaltig zu verbessern. Die Schulungsreihe umfasst sechs thematische Einheiten mit einem Gesamtumfang von sieben Stunden.
Modulinhalte
Modul 1: Grundkörperpflege
Pflegende Angehörige lernen die Grundlagen der Körperpflege. Es werden einfache, aber effektive Methoden vermittelt, wie die Pflege hygienisch und würdevoll durchgeführt werden kann. Besonderes Augenmerk liegt auf der praktischen Umsetzung mit haushaltsüblichen Mitteln sowie der Wahrung der Intimsphäre.
Modul 2: Mundgesundheit und Prothesenversorgung
Diese Einheit widmet sich der Mundgesundheit und der Versorgung von Zahnprothesen. Die Teilnehmenden erfahren, welche Hilfsmittel zur Reinigung und Pflege geeignet sind und wie durch gute Mundhygiene Folgeerkrankungen vermieden werden können. Es werden praxisnahe Tipps zur täglichen Umsetzung gegeben.
Modul 3: Basiswundversorgung
Die Grundlagen der Wundversorgung im häuslichen Umfeld werden vermittelt. Die Teilnehmenden lernen, wie kleinere Wunden fachgerecht versorgt werden können und welche Maßnahmen zur Vermeidung größerer Wundverhältnisse beitragen. Hygienestandards und einfache Auflagen stehen im Fokus.
Modul 4: Dysphagie und Essenseingabe
Diese Einheit behandelt die sichere Essenseingabe bei Schluckstörungen. Pflegende Angehörige erhalten Informationen darüber, welche Lebensmittel und Getränke sich für Menschen mit Dysphagie eignen und worauf bei der Nahrungsaufnahme geachtet werden muss, um Komplikationen zu vermeiden.
Modul 5: Nützliche Hilfsmittel im Alltag
Es werden Hilfsmittel vorgestellt, die den pflegerischen Alltag erleichtern können. Neben bekannten Produkten wie Rollatoren und Handläufen werden auch weniger bekannte, aber effektive Alltagshelfer präsentiert, die ohne großen Aufwand eingesetzt werden können.
Modul 6: Wohnberatung
Die abschließende Einheit widmet sich der Wohnberatung. Es wird aufgezeigt, wie durch gezielte Veränderungen im Wohnumfeld die pflegerische Versorgung zuhause unterstützt und verlängert werden kann. Aspekte wie Barrierefreiheit, Sicherheit und Komfort werden praxisnah behandelt.

Rückblick: Gemeinsam älter werden – mit Wissen, Austausch und neuen Perspektiven
Am 14. März 2026 wurde das Haus St. Marien zu einem Ort der Begegnung, des Austauschs und der Inspiration: Die Neumarkter Akademie für Gesundheits- und Sozialberufe lud gemeinsam mit der Barbara & Walter Scheel-Stiftung zur Veranstaltung „Aktiv älter werden – mit Ideen, Impulsen und Perspektiven“ ein.
Zahlreiche Besucherinnen und Besucher aus der Region folgten der Einladung und erlebten einen abwechslungsreichen Tag rund um das Thema Älterwerden. Schon der musikalische Auftakt mit den Maierbachsängerinnen sorgte für eine angenehme und herzliche Atmosphäre, die den gesamten Tag prägte.
Im Mittelpunkt standen spannende Fachvorträge: So sprach Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen von der Charité Berlin über die positiven Seiten des Alterns und zeigte auf, welche Chancen das Älterwerden mit sich bringt. PD Dr. Dominik Spira gab Einblicke in das Thema Gebrechlichkeit im Alter und stellte dar, welche Faktoren diese beeinflussen und wie man ihr entgegenwirken kann.
Auch das Klinikum Neumarkt war aktiv vertreten: Dr. Astrid Täuber und Christopher Simon stellten die geriatrischen Angebote des Hauses vor – von der Tagesklinik über die spezialisierte Pflege bis hin zur interprofessionellen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Delir oder Demenz.
Neben den Vorträgen boten Informationsstände und gemeinsame Pausen mit Imbiss viel Raum für persönliche Gespräche. So entstand eine offene und wertschätzende Atmosphäre, in der sich Fachleute, Interessierte und Angehörige austauschen und vernetzen konnten.
Die Veranstaltung hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig Information, Prävention und Zusammenarbeit sind, wenn es um ein gutes und selbstbestimmtes Älterwerden geht. Gleichzeitig wurde deutlich, welchen wertvollen Beitrag die Neumarkter Akademie für Gesundheits- und Sozialberufe mit der Unterstützung der Barbara & Walter Scheel-Stiftung in diesem Bereich leisten.
Ein rundum gelungener Tag, der nicht nur wertvolles Wissen vermittelt, sondern auch Gemeinschaft erlebbar gemacht hat – und zugleich verdeutlicht, dass das Älterwerden uns alle betrifft und als gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe verstanden werden muss.
Text: Anne Bujnoch
Bild: Uwe Niklas


Informationen zur Barbara & Walter Scheel-Stiftung
Die „Barbara & Walter Scheel-Stiftung“ wurde vom ehemaligen Bundespräsidenten und seiner Frau ins Leben gerufen, um ein Altern in Würde zu unterstützen. Beide verbrachten die letzten Jahre ihres Lebens in einem Seniorenheim und setzten sich aktiv für Verbesserungen in der Altenpflege ein. Heute fördert die Stiftung im Sinne ihrer Gründer innovationsfreudige und pragmatische Projekte, die die Lebensqualität von älteren Menschen aber auch von Mitarbeitenden in der Altenpflege erhöhen.
Die Neumarkter Akademie für Gesundheitsberufe zählt zu den TOP-Pflegeschulen in Deutschland und zeichnet sich durch eine ausgezeichnete Qualität in Lehre und Betreuung und herausragende Abschlussleistungen aus, darunter Staatspreise der Regierung der Oberpfalz für exzellente Noten. Im Jahr 2025 wurden zahlreiche Absolventinnen und Absolventen der generalistischen Pflegeausbildung mit Einser-Notendurchschnitten für ihre Leistungen geehrt.
